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Victualis Naturheilpraxis - Heilpraktikerin Anne Becker

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Unsere Haut – unser Kommunikationsorgan

Artikel in clio 93 (November 2021)

Seit über 20 Jahren beschäftige ich mich mit der Entstehung und Behandlung verschiedener Hauterkrankungen. Ursachen von Hautbeschwerden sind so vielfältig, wie wir Menschen sind. Die Behandlung sollte deshalb immer auf den Betroffenen zugeschnitten werden und immer individuell erfolgen. Der Zusammenhang zwischen Hauterscheinungen und psychischen Belastungen ist seit langer Zeit bekannt, jedoch erfolgt die Behandlung in den meisten Fällen nur auf körperlicher Ebene. Die Wurzel liegt jedoch oft in der Tiefe begründet. Wie kann ich also selbst auf die Suche nach den Ursachen gehen? Mit diesem Beitrag möchte ich Ihnen eine kleinen Kompass für die Selbstreflektion an die Hand geben.
 

Empathie

In vielen Kulturen ist unter Heilern bekannt: „Die Haut ist ein Sensibelchen.“ Nicht nur die Haut reagiert sensibel auf die Umwelt, auch die Betroffen verfügen oftmals über starke, weibliche Attribute, wie Sensitivität, Feinfühligkeit und Empathie. Jedoch fehlt oft der Fokus nach innen auf die eigenen Bedürfnisse oder Schutz vor mentalen Übergriffen. Sie selbst belasten sich mit Problemen anderer Menschen ohne ihre eigenen Probleme lösen zu können. Zusätzlich nehmen sie sich viele Bemerkungen und Äußerungen aus der Umwelt stark zu Herzen. Die dadurch entstanden Kränkungen zeigen sich als Verletzungen der Haut in Form von Ekzemen. Typische Beispiele hierfür sind Neurodermitis und Schuppenflechte.

Wichtige Fragen auf psychischer Ebene:

  • Welche Menschen in meiner Umwelt erzählen mir nur von ihren Problemen?
  • Welche Menschen tun mir nicht gut?
  • Durch welche Äußerungen fühle ich mich besonders angegriffen und warum?
  • Bin ich wirklich verantwortlich für das Lösen der Probleme anderer Menschen?
  • Wie möchte ich von meinen Mitmenschen behandelt werden? Kommuniziere ich das klar?
  • Warum treffen mich Aussagen Anderer so stark im Inneren?

Empathische Menschen erspüren Gefühle, Emotionen und Grenzen anderer Menschen ohne dass diese Personen etwas sagen. Sie wissen teilweise nur durch einen Blick, wie es dem Gegenüber geht. Das ist eine wunderbare Gabe. Jedoch ist den meisten feinfühligen Menschen nicht bewusst, dass viele andere Personen in ihrem Umfeld diese Gabe nicht besitzen. Deshalb ist es für Sensitive besonders wichtig „Nein“ sowie „Stopp“ zu sagen und die eigenen Grenzen klar mit Worten auszudrücken, um sich vor Überlastung und Verletzungen zu schützen.
 

Schutz/Grenzen

Unsere Haut ist der größte Schutzwall unseres Körpers und grenzt uns auf physischer Ebene vom Außen ab. Chemische und physikalische Reize können bei intakter Oberfläche nicht in den Körper eindringen. Zusätzlich sorgt unser Säureschutzmantel, bestehend aus einer Vielzahl nützlicher Bakterien, für den Schutz vor dem Eindringen krankmachender Bakterien, Viren und Pilze. Somit übernimmt die Hautoberfläche die Kontrolle über den Eingang bestimmter Reize.

Auf psychischer Ebene sendet die Haut Warnsignale in Form von Ekzemen und anderen Hautbeschwerden, wenn persönliche Grenzen immer wieder übertreten werden. Hier zeigt die Haut, was die Seele sagt: „Ich bin verletzt und konnte mich nicht ausreichend dagegen wehren.“

Wichtige Fragen auf psychischer Ebene sind:

  • In welchen Situationen möchte ich mich schützen und habe jedoch das Gefühl ich schaffe es nicht?
  • Setze ich konkrete Grenzen und kommuniziere ich diese klar?
  • Welche Menschen gehen über meine klar gesetzten Grenzen hinaus?
  • Wie verhalte ich mich, wenn jemand meine Grenze überschreitet?
  • An welchen Stellen versuche ich krampfhaft die Kontrolle zu bekommen oder zu erhalten?
  • Welche Aufgaben könnte ich delegieren und tue es nicht, weil ich das Gefühl habe die Kontrolle zu verlieren?
  • Warum benötige ich Kontrolle und was würde im schlimmsten Fall passieren, wenn ich die Kontrolle verliere?

Grenzen setzen ist kein Akt der Aggression, sondern eine Art Bedienungsanleitung, die wir unseren Mitmenschen geben. Da wir alle unterschiedliche Charaktereigenschaften besitzen und andere Bedürfnisse haben, besitzt auch Jeder individuelle Grenzen. Im Alltag ist es deshalb besonders wichtig, den Personen in unserem Umfeld zu sagen, wie wir ticken. Nur dann ist ein harmonischer, zwischenmenschlicher Kontakt überhaupt möglich. Auch wenn es sonderbar klingt, aber dadurch können sich Hautbeschwerden bessern.

Das Thema Kontrolle nimmt bei einigen Patientinnen mit Hauterscheinungen einen großen Platz im Leben ein. Denn oft spiegelt sich die Angst vor Kontrollverlust und somit der Verletzlichkeit an der Haut wieder. Verlieren wir die Kontrolle, sind wir nicht mehr ausreichend geschützt und sind leichter angreifbar. Wird dieses Thema bearbeitet, trägt das sehr stark zur Heilung von Hauterkrankungen bei.
 

Selbstausdruck

Unterdrückte Emotionen und nicht ausgesprochene Gefühle zirkulieren lange Zeit in unserem Organismus bis sie sich ihren Weg nach außen bahnen. Meist zeigen sie sich jedoch auf körperlicher Ebene. Plötzlich treten juckende, kratzende Ekzeme oder schmerzende Bläschen auf. Nicht ohne Grund wird die Haut als Spiegel der Seele bezeichnet. Besonders unangenehm für die Betroffenen ist die Tatsache, dass sich der „Gefühlsausbruch“ an Händen und im Gesicht zeigt. Dinge, die tief im Inneren verborgen bleiben sollten, werden nun auf einer anderen Ebene sichtbar. Der Leidensdruck ist dann besonders stark.

Wichtige Fragen auf psychischer Ebene:

  • Zeige ich wirklich meine Gefühle in angemessener Weise?
  • Wie gehe ich grundsätzlich mit meinen Gefühlen um?
  • Nehme ich meine Gefühle selbst ernst?
  • Bin ich in der Lage meine Gefühle zu beschreiben und zu formulieren?
  • Warum entstehen diese Gefühle?
  • Möchte ich selbst meine Gefühle überhaupt spüren?
  • Habe ich Angst vor der Reaktion anderer, wenn ich meine Gefühle zeige?
  • Habe ich verlernt meine Gefühle zu zeigen?

Das zeigen von Gefühlen und Emotionen ist im Arbeitsalltag oft verpönt. Gefühlsbetonte Menschen werden oft als schwach und inkompetent dargestellt. Wenn wir jedoch ganz ehrlich mit uns selbst sind, empfinden wir Menschen, die offen ihre Gefühle kommunizieren als sympathisch. Grund hierfür ist das Erkennen von Verletzlichkeit im Gegenüber, das ein Zeichen von Menschlichkeit und Weiblichkeit ist. Verletzlichkeit zu zeigen und dabei mitten im Leben zu stehen ist eine wunderbare Stärke, die uns unseren Mitmenschen näher bringt.

Ein erster Schritt ist das bewusste Empfinden und das Formulieren der eigenen Gefühle. Anfangs kann das sehr ungewohnt und seltsam sein. Nach einiger Zeit stellt sich jedoch eine positive Veränderung im Umgang mit unseren Mitmenschen und im gesamten Leben ein. Seid mutig Gefühle zu zeigen und helft eurer Haut zu heilen!
 

Entgiftung

In unserem Organismus befinden sich viele Recyclinganlagen und Entgiftungsstationen. Besonderes hervorzuheben sind hier Leber, Niere und Darm. Fällt die Entgiftungsfunktion einer Station aus, versucht die Haut diese Aufgabe zu übernehmen. Jedoch ist sie eigentlich schon vollkommen ausgelastet mit ihrer eigenen Schutzaufgabe und ist damit absolut überfordert.

Entgiftung auf psychischer Ebene hat viel mit dem Thema Loslassen zu tun. Dinge, die wir nicht loslassen können, belasten uns. Je mehr sich im Laufe des Lebens ansammelt, desto stärker wird unsere Haut belastet. Das können Kränkungen, alte Verletzungen, Überforderungen oder traumatische Erlebnisse sein.

Wichtige Fragen auf psychischer Ebene:

  • In welchen Situationen übernehme Verantwortung oder Aufgaben anderer Menschen und überfordere mich damit selbst
  • Bin ich verantwortlich für die Aufgaben anderer, die nicht geschafft werden?
  • Welche ungesunden Sichtweisen, Ernährungsformen oder Gedanken sowie Glaubenssätze möchte ablegen, schaffe es jedoch nicht?
  • Mische ich mich zu sehr in das Leben anderer ein und mache deren Probleme zu meinen eigenen?
  • Bin ich in der Lage die Welt zu retten?
  • Möchte ich es allen recht machen?

Einfach ist es oftmals nicht, mit alten Themen abzuschließen. Jede Begebenheit ist eine Erfahrung, aus der wir lernen dürfen. Aus diesen Erfahrungen ziehen wir wichtige Erkenntnisse für unser Leben. Die Erkenntnisse sind sozusagen die Essenz des Erlebten. Wir benötigen nur diese Essenz, alles andere dürfen wir gehen lassen. Somit entgiften wir unsere Psyche und dies zeigt sich auch in der Heilung von Hauterkrankungen.

Das Zusammenspiel zwischen Haut und Psyche ist sehr komplex und oftmals nicht ganz ersichtlich. Schauen wir einmal genauer hin, werden uns einige Dinge bewusst, die in unserem Inneren schlummern. Welche Fragen haben Sie besonders angesprochen? Nehmen Sie sich etwas Zeit, eine Tasse Tee, Zettel und einen Stift, um die Fragen in Ruhe zu beantworten. Sicher werden Sie über die dadurch gewonnenen Erkenntnisse überrascht sein. Ich hoffe das dies entscheidend zur Linderung Ihrer Beschwerden beitragen kann.

Oft gibt es jedoch Themen, die wir nicht allein bearbeiten können. Hier ist es sinnvoll sich professionelle Unterstützung zu suchen. So können die Themen in der Tiefe aufgelöst werden, um das Gleichgewicht zwischen Haut und Psyche wieder herzustellen.

Die im Text enthaltenen Informationen dienen lediglich der Anregung und können den Besuch beim Heilpraktiker, Arzt oder Psychotherapeuten nicht ersetzen. Bei Fragen wenden Sie sich bitte vertrauensvoll an Ihren Therapeuten.